Freitag, 19. Januar 2018

Vogelpark Teltow bangt um seine Existenz

Der Teltower Vogelpark und Streichelzoo der Familie Lübeck könnte in ernste Existenznöte geraten. Das Überleben des traditionsreichen Teltower Unternehmens hängt von einer nachträglichen Baugenehmigung für bereits seit zehn Jahren stehende Pferdeboxen ab. „Sie sind enger Bestandteil des Vogelparks. Die Einnahmen aus der Vermietung der Boxen dienen als finanzielles Standbein und zur Stützung der sozial gehaltenen Eintrittspreise sowie zur Überbrückung der besucherarmen Wintermonate und Regenperioden“, sagt Christfried Vetter, der den Vogelpark planungsrechtlich berät.


Ein richtiger Zoo

Bereits in den 1980er Jahren hatte das Ehepaar Annemarie und Horst Lübeck seinen privaten Vogelpark für Besucher geöffnet. Schon bald darauf schafften sie weitere Tiere an, wie Ziegen, Kaninchen und Meerschweinchen. Schritt für Schritt mauserte sich der Vogelpark zu einem Zoo.

Auf einem Spielplatz mit Rutsche und Schaukel sowie auf einer Hüpfburg können sich die kleinen Besucher nach Herzenslust austoben. Stärken kann man sich anschließend in der Vogelpark-Klause „Zum weißen Kakadu“, Kastanienstraße 13-19.


Ob die Boxen stehen bleiben dürfen, ist ungewiss, seit die Bauaufsicht des Landkreises sie auf dem Schirm hat. Im vergangenen Jahr habe es dazu Gespräche gegeben, so Vetter. Nun liegt ein Antrag für eine Baugenehmigung den Teltower Stadtverordneten vor. Der Hauptausschuss soll am 22. Januar darüber befinden. Die Stadtverwaltung drängt darauf die Genehmigung zu versagen, was den Abriss zur Folge hätte. Dann müsste Familie Lübeck den Vogelpark wohl schließen. Doch wie konnte es überhaupt zu einer solchen Situation kommen? Planungsexperte Christfried Vetter gibt zu, dass beim Ausbau des Vogelparks in der Vergangenheit Fehler gemacht worden seien. Doch gemeinsam mit Gründer Horst Lübeck sei es stets gelungen, Baugenehmigungen für Park- und Spielplatz nachträglich zu erreichen.

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Auch für die Pferdeboxen, in denen neben fremden Pferden auch die zum Vogelpark gehörenden Kleinpferde und Ponys untergestellt sind, gab es in den Jahren 1997 und 1998 Baugenehmigungen – mindestens aber die Zustimmung der Behörden. Weil eine Zahlung von rund 2200 Euro seitens des Vogelparks nach dem tragischen Tod Host Lübecks 2007 ausblieb, wurde jetzt das gesamte Verfahren noch einmal aufgerollt. „Es ist der feste Wille von Sohn Lothar Lübeck, der den Vogelpark seit zehn Jahren führt, das ganze Unternehmen auf eine rechtlich einwandfreie Basis zu stellen“, so Vetter. Lübeck junior habe von den Vorgängen vor 2007 nichts gewusst und sei schockiert über die Möglichkeit, mit den Pferdeboxen auch seine Existenz zu verlieren.

Nun wächst der Druck auf die Stadtverordneten. Zahlreiche Teltower setzen sich für den Vogelpark ein, können nicht einsehen, dass ein bestehendes Freizeitangebot verloren gehen soll. Auch politisch scheint sich etwas zu bewegen. So habe die CDU-Fraktion bereits signalisiert, in der entscheidenden Abstimmung am 22. Januar der Abriss-Empfehlung der Verwaltung nicht zuzustimmen, war zu erfahren.

Text & Fotos: Jürgen Stich, mit freundlicher Genehmigung

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