Freitag, 26. Januar 2018

Kleinmachnow wird 100 Jahre alt

Die Kleinmachnower wenden sich ihrer Geschichte zu – und geben dafür auch Geld aus. 230 000 Euro stehen für die Jahre 2018 bis 2020 zur Verfügung, um ein Museumsprojekt voranzutreiben. Außerdem laufen erste Vorbereitungen für die Jubiläumsfeiern „100 Jahre Gemeinde Kleinmachnow“ im Jahr 2020. Hintergrund ist die Umwandlung des Gutsbezirks Kleinmachnow in eine Landgemeinde am 5. April 1920 und die Wahl des ersten Gemeindevorstehers, Förster Heinrich Funke, am 24. April 1920.

Wie das Jubiläum gefeiert werden soll, wird wohl Ende des Jahres feststehen, wenn eine Arbeitsgruppe ihren Vorschlag vorstellt. Die Verwaltung, Gemeindevertreter und der Heimatverein werden daran mitwirken. Was jetzt schon diskutiert wird ist ein offizieller Empfang am 1. oder 24. April 2020, ein Bürgerfest im Alten Dorf, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen. Ein Buch über „100 Jahre Landgemeinde Kleinmachnow“ soll erscheinen. Wanderungen, Fahrradtouren und Schiffsfahrten auf dem Teltowkanal und durch die Schleuse werden angeboten.

Das wichtigste Ziel aber ist die Einrichtung eines Kleinmachnow-Museums. Das Projekt wird seit mehreren Jahren verfolgt. Eine Museumsinitiative, die bereits zwei Ausstellungen zur Kleinmachnower Geschichte präsentiert hat, will bis 2020 die Grundlagen dafür schaffen. Ausstellungskuratorin Alexis Hyman Wolff hat jetzt ein Konzept vorgestellt, das derzeit in den Ausschüssen der Gemeindevertretung diskutiert wird.

Hyman Wolff schlägt unter anderem vor, eine Museumswerkstatt einzurichten, die an einem Tag der Woche für die Bürger geöffnet wird. Wichtig sei die weitere Befragung von Zeitzeugen – „auch Nachwende-Zugezogene“. Eine Sammlung mit Museums-Exponaten soll zügig aufgebaut werden.

Die Museumsinitiative möchte Sammlung und Museum „von unten“, also mit tätiger Mithilfe der Bevölkerung entwickeln. Auf diese Weise waren bereits die beiden Projektausstellungen in der Karl-Marx-Straße 117 entstanden – mit gutem Erfolg. Ob sich die Initiative zu einem Verein konstituiert und später als Träger des Museums auftreten kann, ist aber noch offen.

Der Kleinmachnower Heimatverein steht der Initiative beratend zur Seite. „Es ist gut, dass die Gemeinde jetzt Geld in die Hand nimmt, um das Museumsprojekt voranzutreiben“, sagt der Vereinsvorsitzende Axel Mueller. Gleichzeitig drängt er darauf, dass Fachleute hinzugezogen werden. „Es wird nicht allein mit der Beteiligung der Einwohner funktionieren. Wir brauchen eine wissenschaftliche Basis und erfahrene Mitstreiter.“

Für Mueller muss ein Kleinmachnow-Museum eine regionale Ausrichtung haben und von der Eiszeit, über das Mittelalter, den Bau des Teltowkanals, die Gründung der Landgemeinde bis hin zur DDR- und Nachwendezeit einen umfassenden Überblick geben.

Bleibt noch die Debatte um den Standort des Museums. Derzeit ist nur noch die Auferstehungskirche im Jägerstieg im Rennen. Das Gebäude ist von der Gemeinde angekauft worden, die Kirchengemeinde zieht Ostern in das neue Gemeindezentrum im Alten Dorf um. Die Museumsinitiative hat in ihrem Konzept aber noch einmal auf das Holzhaus in der Karl-Marx-Straße 117 hingewiesen, in dem die beiden Projektausstellungen stattfanden. Das Gebäude gehört zwar der Gemeinde, soll aber gegen Erbpacht in private Hände übergehen.

Einzig der Heimatverein hat sich bislang klar zur Auferstehungskirche als Museumsstandort bekannt und will im Falle der Umsetzung dort auch Räume beziehen. „Als Museumsbetreiber sehen wir uns aber nicht“, stellt Vereinschef Axel Mueller klar.


Geschichte mit vielen Brüchen

Die Geschichte Kleinmachnows zerfällt in zwei große Teile. Am Anfang steht das mittelalterliche Dorf, das neben der Hakeburg am strategisch wichtigen Bäkeübergang entstand. Bis 1920 war Kleinmachnow ein Gutsbezirk unter Regie der adligen Familie von Hake.

Mit der Gründung der politisch eigenständigen Landgemeinde und der Wahl eines ersten Gemeindevorstehers im Jahr 1920 begann eine neue Zeitrechnung. Der nächste Einschnitt war der Bau der Mauer. Kleinmachnow lag in der DDR und war beinahe 30 Jahre zu einer Art Inseldasein verdammt – kein Zugang nach Berlin und nach Süden nur zwei Brücken über den Teltowkanal.

Nach der Wende erfolgte ein erneuter Bruch in Kleinmachnows Geschichte. Nicht nur der Zuzug in die Gemeinde sprengte alle Grenzen, auch der Austausch der Bevölkerung war extrem. Inzwischen leben mehr als 20 000 Menschen in der Gemeinde (Wendezeit: rund 11 000), die Alt-Kleinmachnower machen nur noch einen kleinen Teil davon aus.

Der Streit um die Rückübertragungsansprüche an Häusern, die in Kleinmachnow ganze Siedlungen betrafen, hat das Leben der Menschen nach der Wende nachhaltig geprägt. Die ständigen Veränderungen und Brüche machen es den Einwohnern bis heute schwer, sich mit ihrem Heimatort zu identifizieren.


Text: Jürgen Stich, Foto: Stephan Laude (mit freundlicher Genehmigung)

Elektro Müller Teltow