Montag, 22. Januar 2018

Erst informieren, dann zum Bewerbungsgespräch

„Oh, man kann hier sogar Agent werden!“ staunte ein junger Mann am Sonnabend auf der Ausbildungsmesse in Teltow. Er hatte sich gerade zum Stand des Bundesamtes für Verfassungsschutz durchgearbeitet. Ina Blumbach vom Personalmarketing der Behörde formuliert die Offerten des Inlandsnachrichtendienstes etwas nüchterner: Angeboten werde eine Ausbildung im mittleren Dienst, aber auch ein duales Studium. „Wir suchen gute, qualifizierte, politisch interessierte und zuverlässige Leute“, sagte Blumbach. Die Einsatzmöglichkeiten in ihrem Hause seien sehr vielseitig. Klar, Observationen gehörten auch dazu. Blumbach gibt den Besuchern am Stand gern mit auf den Weg, was nicht nur für den Verfassungsschutz gilt: „Jeder Arbeitgeber wünscht sich Leute, die am Unternehmen interessiert sind.“ Also: Bewerber sollten sich vor dem Weg zum Einstellungsgespräch schon mal möglichst gründlich darüber informieren, was die Firma so alles macht.

Die Regionale Ausbildungsmesse fand  zum elften Mal statt. Angefangen hatte sie mit etwa 50 Ausstellern. Zum Beginn sollte vor allem gezeigt werden, dass es auch in der Region namhafte Firmen gibt, die interessante technische Ausbildungsberufe anbieten, dass man zum Einstieg ins Berufsleben also nicht in den Süden der Republik abwandern müsse, rief der SPD-Wahlkreisabgeordnete Sören Kosanke in Erinnerung, einer der Initiatoren der Messe. Diesmal waren 125 Aussteller dabei, die über 250 Berufe und Studiengänge informierten. Die Veranstaltung platzt aus allen Nähten. So hatte die Teltower Stadtverwaltung die Organisation jetzt erstmals ausgelagert, an die Potsdamer Werbe- und Eventagentur Brando. Die Aufgabe war ausgeschrieben worden, wie Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) sagte. Die Potsdamer waren die einzigen, die sich beworben hatten, aber sie hatten sich mit der Organisation des jährlichen Stadtfestes schon einen guten Ruf erworben.

Es war am Sonnabend nicht nur rappelvoll von jungen Besuchern, auch die meisten Standbetreuer waren jung, selbst noch in der Ausbildung oder beim Studium. Berufswerbung mit  Gleichaltrigen hat sich bewährt. Und höchst erfreulich zu beobachten: Auch bei Gesprächen mit der Presse mischte sich kein Chef ungefragt ein.

Stark vertreten war in Teltow wieder die Gesundheitsbranche, kein Wunder in Anbetracht der Personalnöte vor allem im Pflegebereich. Auch im Handwerk werden händeringend Leute gesucht. Der Großbeerener Stuckateurmeister Ingo Reischuck beklagt: „Es will sich keiner mehr die Hände schmutzig machen.“ Und früher sei zu Hause mehr gebastelt worden als heute. „Es war nichts Fremdes, mit den Händen zu arbeiten“, so der Handwerker. Maximilian Beer warb um Nachwuchs für die TRP Bau GmbH. Sie braucht Tiefbaufacharbeiter, Rohrleitungsbauer, Baugerätefahrer und Industriekaufleute. „Es gibt immer weniger Bewerber“, sagte Beer. Und leider werde auch deren Qualität immer schlechter. Dabei lockt die Firma mit guten Konditionen. Es gibt 11,75 Euro Stundenlohn, die Firma organisiert die Fahrten vom Wohnort zur Baustelle und Azubis erhalten im dritten Lehrjahr mehr als 1000 Euro Ausbildungsvergütung. Jeder, der die Ausbildung bestanden hat, wird übernommen.

Schirmherrin der Messe war die ehemalige Berliner Unternehmerin, Rallyefahrerin und Kfz-Mechanikerin Heidi Hetzer. Jeder, der Gelegenheit hat, zuweilen etwas näher an Veranstaltungen dran zu sein als der normale Medienkonsument, weiß: Schirmherren (oder -herrinen), schreiben Grußworte, dann erscheinen sie meist noch zum Pressegespräch, eventuell auch zum Fototermin bei der Veranstaltungseröffnung – und dann sind sie weg, irgendwo beim nächsten Termin. Nicht so Heidi Hetzer: Die 80-Jährige hat fünf Stunden lang unermüdlich mit Ausstellern und Besuchern gesprochen. Wer seine Schirmherrschaft so ernst nimmt, dessen Urteil darf vertraut werden. „Ganz toll“, sagte Heidi Hetzer zu der Ausbildungsmesse.

Text: Stephan Laude, Foto: Pixabay

Elektro Müller Teltow