Freitag, 8. September 2017

Babysitter jenseits der 50 - Pilotprojekt im Teltower Familienzentrum

Mit einem in Brandenburg einmaligen Projekt wollen die Akademie 2. Lebenshälfte und das Familienzentrum „Philantow“ Kinderbetreuung in der Region organisieren. „Babysitter 50 Plus“ ist eine Ergänzung und Weiterentwicklung der Initiative „Wunschgroßeltern“, die es weiter geben wird. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass wir bei der Betreuung von Kleinkindern durch ältere Menschen etwas niederschwelliger ansetzen müssen“, sagt Beate Lisofsky von der Akademie. Der Anspruch, „Wunschoma“ oder „Wunschopa“ sein zu wollen sei doch sehr hoch. Da sei der Einstieg als Babysitter einfacher. „Was sich daraus entwickelt, ist dann offen. Das kann am Ende auch zu einer sehr persönlichen Beziehung zwischen den Generationen werden“, so Lisofsky.

Der Bedarf an Babysittern in der Teltower Region sei jedenfalls „riesengroß“, bestätigt die Chefin des Familienzentrums, Julia Tannert. Deshalb gebe es bereits seit 2008 eine Kooperation mit der ebenfalls in Teltow ansässigen Mädchenzukunftswerkstatt. „Dort bilden wir jugendliche Babysitter aus“, erklärt Tannert. Es gebe aber einen Bedarf gerade bei Eltern, die beide Berufstätig sind, die Kinderbetreuung zeitlich flexibel zu gestalten. „Und darauf kann sich ein älterer Babysitter, zum Beispiel ein Rentner oder eine Rentnerin, besser einstellen.“


Auch Kleinmachnow will Familienzentrum

Die Gemeindevertretung Kleinmachnow hat den Bürgermeister im April dieses Jahres damit beauftragt einen Beschluss zur „Errichtung eines Familienzentrums“ vorzubereiten.

Inzwischen hat am 7. Juni bereits eine Ideenwerkstatt für ein Familienzentrum in Kleinmachnow mit interessierten Eltern stattgefunden.

In den Ausschüssen der Gemeindevertretung wird nun in diesen Tagen ein Interessenbekundungsverfahren vorbereitet. Ziel ist es, einen freien Träger für das Zentrum zu finden.

Die Kosten werden wie folgt veranschlagt: 2018 sollen 71 500 Euro aufgebracht werden, im Jahr 2019 werden 56 500 Euro veranschlagt und ab 2020 will die Gemeinde 66 500 Euro jährlich in das Familienzentrum stecken.

Auch der Standort für das Familienzentrum steht schon fest. In den ersten Jahren soll eine Ladenfläche am Rathausmarkt angemietet werden. Langfristig ist angedacht, das Angebot in die jetzigen Räume des Bauhofs am Meiereifeld zu verlagern. Sollte es dazu kommen, muss die Gemeinde in Umbau und Sanierung noch einmal Geld investieren. Der Bauhof wird frei, weil mit Teltow und Stahnsdorf ein gemeinsamer Zweckverband Bauhof mit Standort in Stahnsdorf etabliert werden soll.


Das Projekt „Babysitter 50 Plus“ startet mit einem ersten Treffen am Dienstag, dem 26. September. „Insgesamt wird es sechs Treffen mit den Teilnehmern geben“, so Tannert. Dabei werde es im Unterschied zu den üblichen Babysitter-Kursen weniger um die Grundlagen der Erziehung gehen. „Da setzen wir auf eigene Erfahrungen der Teilnehmer.“ Vielmehr gehe es darum, die Rollenverteilung zu klären und eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln. „Es geht kurz gesagt um die Fragen ’Was darf ich und was nicht’“, erklärt Tannert.

Die Herausforderung, als älterer Mensch in die Rolle des Babysitters zu schlüpfen, sollte man nicht unterschätzen, warnt Beate Lisofsky. „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Erziehung vieles geändert. Darauf müssen wir die Teilnehmer ansprechen und einstellen.“ Nachtreffen seien geplant, um erste Erfahrungen auszutauschen. „Für Rückfragen stehen Akademie und Familienzentrum zur Verfügung.“

Nach der Ausbildung gehe es darum, dass Eltern und Babysitter in Kontakt kommen. „Als direkte Vermittler dürfen wir nicht auftreten“, so Tannert. Sie werde aber einen „Steckbrief“ an die Nutzer des Familienzentrums senden. Darauf können Eltern angeben, was sie genau von einem Babysitter erwarten. „Wir geben das an die Kursteilnehmer weiter, die dann direkt mit den Eltern verhandeln – auch über das Honorar.“

Anmeldung bei Beate Lisofsky unter 03328/47 31 34 oder per E-Mail: lisofsky@lebenshaelfte.de

(Text+Foto: Jürgen Stich, mit freundlicher Genehmigung, erschienen auf MAZonline)

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